Zu den Marquesas – dritte Woche auf See

16. Tag auf See, 14. Mai: Haben null Komma null Wind und motoren 8 Stunden. Die Batterien müssen eh geladen werden und den Wassertank haben wir jetzt auch wieder bis…
16. Tag auf See, 14. Mai:

Haben null Komma null Wind und motoren 8 Stunden. Die Batterien müssen eh geladen werden und den Wassertank haben wir jetzt auch wieder bis zur Randkrause gefüllt. Keine besonderen Vorkommnisse. Position: S 08°53.27′ W 124°53,25′ Etmal: 103 Meilen.

17. Tag auf See, 15. Mai:

Blistersegeln und nachdem der Wind gänzlich eingeschlafen ist, lassen wir den Motor zum stabilisieren des Schiffs mit kleiner Drehzahl nochmals 5 Std. laufen. Wir haben noch 800 Meilen vor uns, so weit wie es von den Las Perlas zu den Galapagos war. Es ist der Wahnsinn, es sieht so aus, als würden wir für die letzten 1000 Meilen genauso lange brauchen wie für die ersten 2000 Meilen. Position: S 09°10.20′ W 126°29,50′ Etmal: 98 Meilen.

18. Tag auf See, 16. Mai:

Bei dem schwachen (leise 5 Knoten) Wind baumen wir den Spinnaker nach steuerbord und Backbord aus, so bleibt er wenigstens einigermaßen stehen. Beim Blick nach oben sehen wir mit Entsetzen, dass etwa 2 Meter vom Kopf des Spinnakers mehrere Risse/Schnitte in dem hauchdünnen Tuch zu sehen sind. Wir wollen nicht riskieren, dass uns der Spi beim Aufblähen reißt und holen ihn zum Reparieren herunter. Sorgfältig sehen wir uns Meter für Meter an und kleben mit speziellem selbstklebendem Segelreparaturband die Risse großzügig zu. Beim erneuten Setzen des Spis fällt eine „selbstsichernde“ 8er Mutter vom Masttopp herunter. Der Sache muss Helmut nachgehen und klettert auf den Mast, selbstverständlich mit der Großfall gesichert. Zum Glück sind Welle und Dünung nur schwach, aber dennoch schwankt der Mast am Topp mit mindestens 1,50 m Ausschlag. Da fällt es schwer, die Schraube mit Mutter, die das U-Eisen mit den Blöcken für die 2.Vorfall und die Spifall halten soll, wieder festzuschrauben und sich gleichzeitig auch noch festzuhalten. Irgendwann wäre dieses U-Eisen mitsamt den Segeln bei einer starken Böe heruntergekommen und man hätte nicht gewusst, warum. Mittlerweile hat der Wind wieder auf Südost gedreht und wir setzen für die nächsten Stunden den Blister. Position: S 09°14.74′ W 127°43,45′ Etmal: 70 Meilen.

19. Tag auf See, 17. Mai:

Heute haben wir zu rein gar nichts die rechte Lust, noch nicht mal zum Lesen. Wir hören die Hörbuch CD: „Die Reisen des Sir Peter Ustinov“, die hat uns Hubert und Trudel Marquart aus Horb zum Abschied geschenkt. Herrlich, sich „vorlesen lassen“ während man in der Sonne liegt und das Schiff ganz gemächlich mit Blister vor sich hintreibt. Position: S 09°22.02′ W 128°50,05′ Etmal: 64 Meilen.

20. Tag auf See, 18. Mai:

Um 17.20 Uhr UTC (9.20 Ortszeit), wir haben noch nicht mal gefrühstückt, das Schiff wir gerade mal für eine halbe Stunde auf 5,5 Knoten beschleunigt, da geht er uns an den Haken, der größte Fisch unserer bisherigen Anglerkarriere. Eine Stunde drillt Helmut ihn, bis wir ihn am Heck des Schiffes haben. Es ist ein Wahoo, 135 cm vom Maul bis zur Schwanzflosse, er kämpft bis zur letzten Minute, wir schütten ihm 0,25 Liter Rum ins Maul, um ihn ruhig zu stellen. Dann schießt Helmut noch mit der Harpune, damit wir ihn trotzdem haben, falls er uns in letzter Minute noch vom Haken fällt, doch der Pfeil prallt vom Kopf ab und erst in der weicheren Seite dringt der Pfeil durch. Mit dem Gaff ziehen wir ihn schließlich auf Deck. Ein Prachtexemplar, die Schwanzflosse reicht Helmut bis zur Schulter, als er ihn senkrecht mit dem Maul aufs Deck stellt. Die eigentliche Arbeit, das Versorgen der Unmengen von Fleisch (geschätzte 20 kg) beginnt jetzt erst. Für die nächsten Tage brauchen wir uns um unseren Eiweißhaushalt keine Sorgen zu machen. Heute bereite ich die zarten festfleischigen Filets wie paniertes Schnitzel zu und mache mit der wirklich allerletzten grünen Salatgurke unseren Lieblingskartoffelsalat nach Gerdis Rezept. In Karla Schenks Rezeptsammlung finde ich ein Rezept, ähnlich wie die Zubereitung von Bratheringen. Ein ganzer Schwung Filets wird paniert und dann in einen Wein-Essig-Sud eingelegt, das soll nach 2-3 Tagen erst richtig gut mit Bratkartoffel schmecken. Man wird sehen. Position: S 09°42.20′ W 130°40,70′ um 15.00 UTC Etmal: 100 Meilen.

21. Tag auf See, 19. Mai:

Immer noch kein Wind bzw. nur 5 Knoten und das noch aus Ost, das heißt, direkt von achtern, wir liegen platt vorm Laken, kein Segel steht vernünftig ruhig. Es schaukelt und rollt ganz erbärmlich beim Ausprobieren des Schmetterlingsegelns, das bedeutet, dass wir das Großsegel nach backbord festlegen und die Genua nach steuerbord ausbaumen. Alle Mühe macht hier keinen Sinn, das ist Spinnakerwind, zumal nur schwachwindig und keine Gefahr von Starkwindböen. Gesagt getan, es macht zwar Mühe, bis alle Leinen und Bäume richtig stehen, aber dann kommen wir auch wieder etwas voran und laufen vor allen Dingen ruhig, ohne das nervige und materialschädigende Schlagen der Segel. Der beidseitig ausgebaumte Spinnaker ist ein richtig guter Schwachwindfänger. Heute gibt es Wahoofilet auf dominikanische Art, ein Rezept aus dem karibischen Kochbuch von Jochen und Yvonne mit Paprika, Zwiebel und Knoblauch, in Tomaten-Kokosmilch-Soße mit Reis. Einige Filets haben wir roh in einer Schale eingesalzen, die schwimmen jetzt bereits in einer Salzlake in der Sonne und sollen, wenn das Wasser herausgezogen ist noch an der Luft getrocknet werden. Haben wir noch nie gemacht, mal schauen, was dabei rauskommt. Position: S 09°52.58′ W 132°11,03′ um 15.00 UTC Etmal: 90 Meilen.

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