Die Balearen

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Fortaleza De Isabel II

Die Wettervorhersage bringt für die nächsten Tage den ersehnten Ostwind. Wir bunkern in Carloforte auf der Sardinien vorgelagerten Insel San Pietro für den bevorstehenden 200 sm Törn nach Menorca doch nochmal 50 l Trinkwasser in 5 l Kanistern ein. Der Filter unseres Watermakers hat sich zugesetzt und arbeitet nicht mehr, sodass die Trinkwassergewinnung aus dem Meerwasser nicht möglich ist. Das im Wassertank gebunkerte Wasser ist ohne Abkochen nicht zum Trinken geeignet. Wie so oft stimmt auch diesmal die Wettervorhersage mit den lokalen Windverhältnissen nur teilweise überein. Wir haben keine Welle gegen uns und so bringt uns der Dieselwind ein gutes Stück voran. Wir haben das erste Mal einen guten Funkkontakt zur CARPE DIEM die schon auf dem Weg nach Lanzarote ist. Mal wieder hängen wir die Köder unserer beiden Angeln zum Baden ins Wasser und schleppen die langen Leinen hinter uns her. Den ersten Fisch den wir fangen ist eine Möwe, die sich in der Angelleine verfangen hat. Wahrscheinlich fangen wir im gesamten Mittelmeer keinen Fisch mehr. In der Nacht frischt der Wind auf 15 Knoten auf und wir segeln !!!! Kein Motorgeräusch, ganz herrlich, das macht die 3 Stunden Wache und auch das Schlafen danach angenehm.
Ohne Schaden zu nehmen macht Helmut am Morgen mit der Italienischen Hand-Espresso-Maschine einen Kaffee. Das selbst gebackene Pizzabrot (ein Rezept von Tupperware-Beraterin Simone Schmid) schmeckt ganz hervorragend mit Butter drauf. So gestärkt halten wir doch mal Ausschau nach unseren Angeln. Sofort helle Aufregung, es hängt was dran. Fragt sich nur, was es diesmal ist? Helmut wickelt schon mal die Leine ein, ich hole ein Glas Schnaps zum Betäuben des Fisches, das Kaff und das Fischmesser. Dann geht alles ziemlich schnell, der seit Stunden geschleppte Bonito mußte weder betäubt noch abgestochen werden, weil offensichtlich „ertrunken“ war. Helmut brauchte ihn nur noch ausnehmen und schuppen und ab damit in den Kühlschrank. Den für den Fisch vorgesehenen Schnaps muss Helmut jetzt halt selber trinken. Die Ansteuerung in die Bucht „Cala Taulera“ von Mahon auf Menorca, dem größten Naturhafen Europas, nachts um 23 Uhr ist Dank der wieder funktionierenden PC-Detailkarten kein Problem. Nach 200 Seemeilen und 36 Stunden, davon mangels Wind 18 Stunden unter Motor, sind wir froh in der mit Yachten gut belegten Bucht noch ein Plätzchen zu finden. Am nächsten Morgen müssen wir feststellen, dass wir in der Fahrrinne des Ausflugsdampfers liegen, der hier mehrmals am Tag durchfährt und jedesmal bedenklich nahe an uns herankommt. Da hilft nur neu ankern. Menorca ist im Gegensatz zu Mallorca eher von britischen Touristen bevölkert. Es wird sehr viel Wert auf den Umweltschutz gelegt und überall werden wir darauf verwiesen, die Landschaft, Buchten und das Wasser sauber zu halten. Das kostbarste Gut für die Menorquiner ist eine intakte Landschaft, damit die Haupteinnahmequelle, der Tourismus, weiterhin gut funktioniert.

Nach 1 Woche in Menorca ist die Überfahrt nach Mallorca/Cala Ratjada bei einem leichten Wind mal so richtig erholsam; „smoothy sailing – schönes Segelwetter“ so kündigt Rolf von Intermar e.V. diese Wetterlage immer an. Die herrliche Dünenlandschaft um die Ankerbuchten Cala Mesquida und Cala de s’Agulla im Norden von Mallorca werden leider durch riesige Hotelanlagen unterbrochen, die nicht in die Landschaft passen. Wir müssen weiter, denn es ist Nordwest-Wetterlage angekündigt und die nach Nordwesten offenen Buchten sind dann höchst ungemütlich und unsicher.

Die angekündigte und tatsächlich folgende Gewitterfront mit 2 Tagen Regen, heftigem Gewitter und 30-40 Knoten Wind, wettern wir im sicheren Naturhafen von Porto Colom vor Anker ab. Die vor Anker und an Bojen liegenden Yachten werden heftig durchgeschüttelt und einige wandern mit ihrem Anker quer durchs ganze Hafenbecken. Nachdem wir dann eine der wenigen freien „Transitboje“ ergattert haben, mieten wir ein Auto um die Insel zu erkunden.

Über gut ausgebaute Straßen geht’s mit Zwischenstopp im Lidl in Las Palmas in das Tramuntana Gebirge an der Westküste. Die schroffen Küstenformationen und die Ausblicke auf das Meer faszinieren uns. Das Museum son Marroig ist ein typisches mallorquinisches Herrenhaus mit einer interessanten Sammlung antiker Möbel und persönlicher Dinge des Erzherzogs Ludwig Salvator von Hohenzollern, der hier seine private Residenz hatte. Viele Wanderer genießen das milde Klima des Tramuntagebirges. Mallorca ist eben nicht nur „der Ballermann“, sondern bezaubernd und reizvoll, man muss die Schönheiten entdecken und sehen wollen. Wir halten unser Versprechen ein und besuchen in Santanyi, nur ein paar Kilometer entfernt von Porto Colom, Rosemarie Deissenberger. Sie lässt sich die Südwestpresse nach Mallorca nachsenden und da wir immer interessiert sind, was in Horb los ist, hat sie hat uns einige Zeitungen der Südwestpresse überlassen. Die haben wir dann genüsslich durchgelesen bis wirklich nichts mehr drin stand. In Horb ist halt immer etwas los, und sei es nur, dass der „übliche Verdächtige“ wieder irgend so eine „Ungehörig Unförmige“ in der Neckarstraße in die Welt setzt.

20. September 2005

In der Cala Figuera montiert Helmut das Windmessrädchen im Topp des Großmastes. Die Odyssee des Windrädchens durch halb Europa hat nun ein Ende gefunden. Jetzt können wir wieder die Stärke des Windes oder auch des nicht vorhanden Windes ablesen. Wir planen den Besuch des Naturschutz Archipels Cabrera 10 Sm südlich von Mallorcas Südwestspitze Capo Salinas. Man benötigt eine amtliche Erlaubnis, um an einer der ausgelegten Bojen für bis zu 3 Tagen im Sommer oder bis zu 1 Woche im Frühjahr bzw. im Herbst festmachen zu dürfen. Der Hafenkapitän in Cala Figuera ist uns beim Ausfüllen und Kopieren der mehrseitigen Formulare und Unterlagen behilflich und faxt die Anfrage nach Las Palmas. Zwei Stunden später ist die Antwort da, es gibt keine freie Boje in den nächsten 8 Tagen. Auch eine telefonische Rückfrage ergibt kein anderes Ergebnis. Da wir uns nicht vorstellen können, dass um diese Jahreszeit jeder, der einen Bojenplatz angemeldet hat auch tatsächlich die entsprechende Zeit dort liegen bleibt, gehen wir trotzdem los. 10 Knoten Wind aus Südwest und ruhiges Wasser, also motoren wir die 17 Sm in die beschauliche Ankerbucht inmitten des unter See- und Landschaftsschutz stehenden Archipel. Und siehe da, es sind mehr als 15 Bojen nachmittags um 16.00 Uhr noch mit belegt. Da wir kein Permiso haben, warten wir mit dem Landgang, ob die Boje tatsächlich frei bleibt und niemand Anspruch darauf erhebt. Wir hatten Glück und können bleiben. Eine wunderbare Stille umgibt uns. Der Morgen beginnt mit einem Bad im glasklaren Wasser der Bucht. Auf dem Weg zum Castillo de Cabrera , das Ende des 14. Jahrhunderts errichtet wurde, erfreuen wir uns an den schwarzen Balearen-Eidechsen, die zutraulich sogar über unsere Hände und die Schuhe laufen. In diesem Naturpark wird versucht, das mediterrane Strauchland mit Pflanzen wie dem wilden Ölbaum , dem Mastixstrauch, Rosmarin und der strauchartigen Wolfsmilch zu erhalten. Bei geführten Wanderungen über die Insel wird dem naturinteressierten Besucher die Flora und artenreiche Fauna nahegebracht. Auch die Fauna unter Wasser ist mit ihrem Artenreichtum bemerkenswert.

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